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Push me to my limit

Am Morgen ging es zunächst weitere 200 Höhenmeter nach oben. Am Parkplatz konnte man am Automaten per Karte auch ein Ticket für die Klettersteige kaufen. Ich glaube zwar nicht, dass mich während des Kletterns jemand kontrolliert hätte, aber man weiß ja nie.

Den Vormittag verbrachte ich damit, auf einer Seite des Berges immer wieder verschiedene Klettersteige hoch- und runterzugehen. Am Ende wurde die Luft schon ziemlich dünn. Ich spürte Knochen, Muskeln – eigentlich alles.

Auf dem Weg zur anderen Seite des Berges kam ich an einem geöffneten Restaurant vorbei. Perfekt für eine kleine Zwischenmahlzeit. Danach ging es zunächst entspannt weiter. Es war nicht wirklich fordernd. Zum Abschluss warteten allerdings die beiden schwersten Klettersteige. Ich probierte beide an, musste mir aber selbst eingestehen, dass das Risiko heute einfach zu hoch war. Also brach ich den Versuch ab. Ich gehe zwar gerne mal ein Risiko ein, aber nicht um jeden Preis – zumal ich keine Lust habe, von der Bergrettung heruntergeholt zu werden. Davon gibt es im Moment ohnehin schon genug Berichte.

Den Nachmittag verbrachte ich am Van. Körperlich und mental war ich einfach fertig. Die Nacht war angenehm kühl und ich schlief richtig gut. Zwischendurch landeten immer wieder Schmetterlinge auf meinem Körper.

Am nächsten Morgen überlegte ich, wohin es als Nächstes gehen sollte. Vor einigen Jahren war ich auf der Durchreise nach Rumänien schon einmal auf einem Campingplatz gewesen. Genau dort lag nun mein nächstes Ziel. Damals hatten mir die Berge dort so gut gefallen, dass ich gerne länger geblieben wäre. Dieses Mal war das möglich. Leider hatte das Restaurant geschlossen, aber es gibt Schlimmeres.

Ich nutzte den Aufenthalt, um aufzuräumen und den Abwasch zu machen. Dabei kam ich mit einem Pärchen aus der Schweiz ins Gespräch. Nachdem alles erledigt war, setzte ich mich mit einem Bier zu ihnen und wir unterhielten uns den ganzen Abend. Auch hier gab es wieder Glühwürmchen.

Am nächsten Morgen war ich sehr früh wach und entschloss mich, mein Frühstück auf einem Gipfel einzunehmen. Also ging es bereits um 5:30 Uhr los. Acht Kilometer bergauf mit etwa 400 Höhenmetern und zum Schluss noch einmal rund 50 Höhenmeter bis zum Gipfel. Dieses Gefühl dort oben war einfach unbeschreiblich.

Zurück ging es über einen anderen Weg. Während einer kleinen Pause beschlossen erneut einige Schmetterlinge, dass ich wohl eine gute Landefläche sei.

Am Van angekommen war ich erst einmal völlig erledigt. Es war inzwischen auch wieder sehr warm und schwül. Gegen 13:30 Uhr zogen dann kräftige Gewitter auf. Es schüttete und donnerte ordentlich. Trotzdem ging ich noch kurz zum Coop einkaufen. Den Rest des Tages verbrachte ich leider am Laptop und spielte mit einer Domain herum, die ich schon länger besitze. Den Link findet ihr am Ende des Textes – jetzt würde das nur zu sehr ablenken.

Auf der Karte entdeckte ich noch etwas Interessantes: den Durchbruch eines Flusses durch Kalksteinfelsen. Also fuhr ich am nächsten Morgen dorthin. Wirklich beeindruckend. Etwas weiter das Tal hinauf gab es außerdem eine Art Höhle. Leider durfte man sie nicht betreten, da das gesamte Gebiet unter Naturschutz steht.

Gut – was nun?

Ich hatte noch einige Ziele in Google Maps und auf Papier gespeichert und entschied mich für eine kleine Therme weiter südlich. Ich fuhr hin, ging auch baden, aber irgendwie wirkte das Ganze eher wie ein Hippie-Camp. Nicht ganz mein Fall.

Also weiter zur nächsten heißen Quelle. Dort durfte man allerdings nicht übernachten. Da ich inzwischen ohnehin auf einem kleinen Quellen-Trip war, entschied ich mich, wieder Richtung Norden nach Liptovský Ján zu fahren. Unterwegs überquerte ich noch den höchsten Pass der Slowakei.

Dann kam eine Umleitung, weil eine Brücke saniert wurde. Die führte über die Autobahn. Also war es Zeit, endlich die Maut zu buchen. Das ging komplett online und ich entschied mich für zehn Tage. Irgendwann muss ich ja auch wieder zurück.

In Liptovský Ján angekommen parkte ich diesmal auf einem großen Parkplatz. Daneben wurde gerade ein Kinderfest aufgebaut. Also war klar, dass ich dort nicht allzu lange bleiben würde. Nach Sonnenuntergang ging ich noch einmal zum Thermalbad. Es stand übrigens auch auf meiner Liste für Silvester. Zum Glück hatte ich mich damals anders entschieden.

Ich schlief wieder gut und fuhr am nächsten Morgen zu einer weiteren Quelle, die gerade touristisch ausgebaut wurde. Interessant war sie trotzdem.

Zwischendurch meldete sich langsam mein Fuß – genau der, den ich mir letztes Jahr gebrochen hatte. Also hieß es: etwas Tempo rausnehmen. Weniger wandern, weniger klettern.

Ich fuhr noch um den Stausee und suchte nach einem schönen Übernachtungsplatz, fand aber nichts Passendes. Also ging es weiter Richtung Tatra. Die Bergstraßen waren wunderschön und ehe ich mich versah, war ich mitten im Touristen-Hotspot gelandet.

Ich fuhr bis in einen Ort mitten in den Bergen. Dort waren mir allerdings einfach zu viele Menschen. Also suchte ich einen Campingplatz. Eigentlich wollte ich am nächsten Tag mit Zug und Seilbahn hinauf in die Berge. Doch die Preise und die Menschenmassen ließen mich schnell umdenken.

Auf dem Campingplatz ging es zu wie auf einem Festival. Jeder stellte sich kreuz und quer hin, alles war eng und voll. Was mir besonders auffiel: Hier kam man überhaupt nicht ins Gespräch. Selbst als ich morgens zur Entsorgungsstation fuhr und dort zwei deutsche Fahrzeuge standen, wurde mein freundliches „Hallo“ konsequent ignoriert. Stattdessen wurde schnell aufs Handy geschaut, als hätte man nichts gehört.

Seltsam. So schlimm sehe ich nun wirklich nicht aus, oder?

Also stand fest: In dieser Gegend bleibe ich nicht.

Ich suchte mir einen Geysir heraus, der mich interessierte. Auf dem Weg dorthin kam ich das erste Mal durch Roma-Siedlungen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich es anders beschreiben soll.

Leider stellte sich heraus, dass der Geysir wegen Bauarbeiten außer Betrieb war. Schade. Die Gegend war trotzdem interessant.

Ich fuhr weiter Richtung Grenze zu Polen und der Ukraine. Je näher ich kam, desto häufiger wurden die Ortsschilder zweisprachig.

Während der Fahrt überlegte ich lange, ob ich doch noch in die Ukraine fahren sollte. Dort gäbe es unglaublich viele interessante Dinge zu sehen. Nur als Beispiel: Fast direkt auf meinem Weg liegt ein Meteorkrater. Wäre ich nicht bei der Bundeswehr, wäre ich das Risiko wahrscheinlich eingegangen. Aber so muss die Ukraine wohl noch etwas länger auf meinen Besuch warten.

Im nächsten Ort wurde gerade eine Veranstaltung aufgebaut: das 1000 Miles Adventure. Am nächsten Tag sollte dort der Start stattfinden. Dementsprechend voll war auch der kleine Campingplatz. Kaum jemand sprach Deutsch oder Englisch. Wirklich übergesprungen ist der Funke zu den Radfahrern nicht. Trotzdem saßen wir gemeinsam am Lagerfeuer, tranken Bier, das man selbst zapfen konnte, und jemand spielte Gitarre. Es war ein sehr angenehmer Abend.

Am nächsten Morgen war mein Fuß allerdings immer noch nicht wirklich besser. Also fiel das Wandern erneut aus. Ich schaute mir stattdessen den Start der Veranstaltung und den Ort an.

Interessant fand ich einen kleinen Naturlehrpfad am Fluss, der mit EU-Geldern für rund zwei Millionen Euro gebaut wurde. Wahrscheinlich verschwindet er beim nächsten Hochwasser wieder.

Zurück am Van beschäftigte ich mich weiter mit meiner Domain.

Abends kam eine Gruppe Motorradfahrer auf den Campingplatz. Ich setzte mich dazu. Zwei von ihnen sprachen Englisch und wir verstanden uns alle erstaunlich gut. Es wurde ein richtig gelungener Abend mit viel Bier, leckerem Schnaps, Brot, Wurst, Speck und natürlich wieder Gitarrenmusik am Lagerfeuer.

Definitiv mein Highlight der letzten Tage.

Später kam noch ein Pärchen aus Deutschland und Israel dazu. Zwischendurch begann es zu regnen und wir verzogen uns unter einen Unterstand. Man konnte den Leuten ansehen, wie sehr sie diesen Abend genossen.

Die Nächte wurden inzwischen wieder angenehm kühl – etwa zwölf Grad.

Am nächsten Morgen hatte ich mal wieder Lust auf Kaffee aus der Perkolatorkanne. Nachdem ich die Motorradfahrer verabschiedet und ihre Abfahrt beobachtet hatte, machte auch ich mich wieder auf den Weg.

Wandern war immer noch keine gute Idee. Natürlich könnte ich mich darüber ärgern, aber das bringt am Ende auch nichts.

Als nächstes Ziel suchte ich mir Mofetten in Polen aus. Das sind Stellen, an denen Kohlendioxid aus dem Boden austritt. Manchmal sterben dort sogar Tiere, weil sich das Gas sammelt. Solche Orte zeigen oft Verbindungen zur Erdkruste und liegen häufig in ehemaligen Vulkangebieten. Eigentlich hätten mich auch die Schlammvulkane in der Ukraine interessiert. Aber die Drohnen am Himmel machten ziemlich deutlich: Im Moment ist nicht die richtige Zeit dafür.

An der ersten Mofette angekommen stellte ich fest, dass direkt daneben ein Coca-Cola-Werk steht. Dort wird Wasser abgefüllt und in ganz Polen verkauft. Von mir aus kann man das gerne irgendwo anders machen – aber ausgerechnet hier? Nein, danke.

Die Mofetten selbst lagen eingezäunt in einer Art Ferienpark und konnten nur zwischen 11 und 15 Uhr nach Anmeldung besichtigt werden. Meine Uhr zeigte bereits 15:45 Uhr.

Also weiter zur nächsten.

Dort wurde allerdings gerade groß gebaut.

Na toll. Und jetzt?

Irgendwo musste ich schließlich auch schlafen. Ich schaute aufs Navi und stellte fest, dass der Ort, an dem ich Silvester gewesen war, nur anderthalb Stunden entfernt lag. Vielleicht würde das warme Wasser meinem Fuß guttun.

Also fuhr ich dorthin. Die nächsten zwei Nächte ging ich mehrfach baden und trank heute Morgen sogar meinen Kaffee direkt in der warmen Quelle. Auch hier schwirrten abends wieder Glühwürmchen herum. Sie vom warmen Wasser aus zu beobachten, war einfach großartig.

Langsam muss ich allerdings wieder Richtung Heimat.

Heute Morgen bin ich noch einmal zu dem gleichen Ziel wie an Silvester gefahren und stehe jetzt gerade in einem Vulkan in Polen. Vielleicht mache ich später noch ein Feuer und schaue, ob ich ein paar Amethyste finde.

Morgen geht es noch kurz nach Jelenia Góra, ein paar Dinge besorgen, und danach zurück nach Hause.

Ich hatte ja weiter oben geschrieben, dass ich meine Domain endlich mit Leben gefüllt habe. Ihr findet sie unter www.wsdr.info. Ich besitze sie inzwischen seit gut zwei Jahren. Jetzt entsteht dort endlich etwas.

Ich melde mich hier wieder, sobald ich zu Hause angekommen bin.

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