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On The Road Again

Ich bin wieder unterwegs. Diesmal wird es so sein, dass ich wahrscheinlich alle ein bis zwei Tage berichten werde.

Die Weihnachtstage waren fast vorbei. Am 26.12. wollte ich nachmittags los. Doch diesmal fiel es mir schwer, in die Gänge zu kommen. Vielleicht lag es daran, dass ich nicht wieder alleine etwas unternehmen wollte – und sich auf der Couch irgendwie zu beschäftigen (oder zu verstecken) ist ja einfach. Aber ich wusste: Ich muss raus. Zuhause finde ich keine neuen Bekanntschaften und keine Abenteuer.
Die Frage war nur: Wohin? Den Harz hatte ich mir eigentlich als grobes Ziel gesetzt. Ganz sicher war ich mir aber nicht. Viele Möglichkeiten gingen mir noch durch den Kopf: Silvester in Stockholm (hin wäre es machbar gewesen, zurück aber nicht). Die Hohe Tatra zum Bergsteigen. Oder das, was mir seit etwa zwei Jahren im Kopf herumgeht: natürliche, frei zugängliche heiße Quellen. Ich suche schon lange nach natürlich belassenen warmen Quellen, die einigermaßen gut erreichbar sind. Wenn ihr Tipps habt – immer her damit!
Nach fast zwei Jahren Suche kam dabei heraus, dass es nur auf der Südseite der Karpaten Quellen gibt, die relativ gut erreichbar sind. Also suchte ich mir die nächstgelegene heraus und wollte los. Doch als ich einen Schritt vor die Tür machte, rutschte ich irgendwie seltsam weg. Am Auto sah ich dann Eis auf den Spiegeln – der leichte Nieselregen war gefroren. Es machte keinen Sinn, bei Glatteis zu starten. Wegwerfen werde ich das Taxi sicher nicht. Also blieb ich noch eine Nacht zuhause.

27.12. – Glatteis und Bekanntes

Als ich schließlich fit war, war trotzdem noch alles gefroren. Die Hauptstraßen und Autobahnen waren zwar eisfrei, aber insgesamt war es rutschig. Ich fuhr zuerst nach Hohenwutzen. Von dort stellte ich im Autoradio den Kompass größer und fuhr einfach nach Südost. Viele Orte kannte ich schon, es wurde eher ein Fahrtag. Ich beschloss, hin nur Landstraße zu fahren – zurück kann ich dann in Polen Autobahn fahren.
Am Oderbogen wurde es zunehmend glatter, die Nebenstraßen waren kaum befahrbar. Also fuhr ich weiter. Gegen 17 Uhr begannen sogar die Hauptstraßen zu vereisen. Ich erinnerte mich an einen Platz bei Zielona Góra, wo man zwar nicht schön, aber sicher stehen konnte. Dort nutzte ich das WLAN von Shell und räumte erst mal das Taxi auf – ups, zwei volle Müllsäcke kamen dabei zusammen. Danach las ich noch eine ganze Weile Clannon Miller, eine meiner Lieblingsautorinnen. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und stellte fest: Es war fast Mitternacht. Also Licht aus – Schluss für heute.

28.12. – Bekannte Strecken

Morgens verzichtete ich auf Kaffee – das wird morgen anders. Dafür war das Restaurant mit der goldenen Möwe gut genug. Auf den Straßen war es immer noch extrem glatt. Zuerst fuhr ich lange Zeit neben der S3 in Polen Richtung Süden. Irgendwann sah ich dann ein Schild: Hirschberg in Schlesien. Von dort ging es weiter Richtung Waldenburg – im Endeffekt die gleiche Strecke, die ich früher mit meiner Ex-Freundin nach Rumänien gefahren bin. Diesmal blieb ich aber in Polen und fuhr nicht bis zur Grenze.
Zwischendurch machte ich Pause an einem Grab mit Opfern aus Groß-Rosen. Auffällig war, dass die Namen niederländisch waren – und ich konnte den Text sogar halbwegs lesen.
Dann die erste „lustige“ Stellplatz-Erfahrung: Ich sah an einem Fluss einen Hinweis auf eine Einsatzstelle für Kajaks. Der Weg war nur zur Hälfte geräumt, danach ging es als verschneiter Feldweg weiter, am Ende noch eine Abfahrt runter – ein traumhafter Stellplatz, aber mit Risiko. Ich stieg vorher aus und stellte fest: Wenn ich ins Rutschen komme, lande ich direkt im Fluss. Das Risiko gehe ich nicht ein. Also die 500 Meter rückwärts zurück – Wenden war kaum möglich.
Gegen 18 Uhr erreichte ich im Dunkeln die Grenze nach Tschechien. Natürlich lagen die Kronen von der letzten Reise zuhause. Ich suchte und suchte, aber fand nichts richtig Gutes. In dem Ort, in dem ich jetzt stehe, war ein großer Parkplatz ausgeschildert – und ich hatte keine Lust mehr weiterzusuchen. Als ich ausstieg, sah ich vor mir eine Bahnlinie und hoffte auf eine ruhige Nacht. Gleich dahinter waren Gebäude, aus denen Rauch aufstieg, und auf einem Dach loderte in Abständen eine riesige Flamme. Inzwischen weiß ich: Es ist eine Eisenhütte bzw. ein Stahlwerk.
Ich bin gespannt, wie alles bei Tageslicht aussieht. Morgen mache ich Fotos, versprochen. Dann geht es weiter in die Slowakei – möglicherweise schon zu den ersten heißen Quellen.

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