Bäderrunde
Reisebericht – Novembertour
Einleitung
Eigentlich sollte diese Reise eine kleine Auszeit werden – ein paar ruhige Tage im Bus, ein bisschen Natur, vielleicht ein Lagerfeuer, ein paar Gespräche mit anderen Reisenden. Eben das typische Vanlife, wie man
es sich vorstellt. Doch der November hatte andere Pläne. Statt Sonne und Abendstimmung gab es Nebel, Regen und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.
Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – wurde es eine Tour voller kleiner Überraschungen. Von leeren Bergbau-Seen und stillen Moorlandschaften über Thermalquellen, die mal heiß, mal eiskalt waren,
bis hin zu einem Mercedes-Coupé, das mitten in einem Feld feststeckte. Ich lernte neue Orte kennen, sah vertraute aus einer anderen Perspektive und stellte fest, dass selbst ein grauer Herbsttag manchmal mehr
Abenteuer bereithält als ein perfekter Sommertag.
Dieser Bericht erzählt von genau diesen Tagen: von spontanen Entscheidungen, Wind, Nebel, heißen Quellen, kalten Nächten, glitzernden Wolkenmeeren und den Momenten, in denen man merkt, dass man eigentlich nur unterwegs sein muss, um etwas zu erleben – egal, wie das Wetter aussieht.
Montagabend – Leipziger Nachtleben
Der Montagabend begann gemütlich in Leipzig. Gemeinsam ging es ins Restaurant Wenzel, wo wir uns durch tschechische Spezialitäten probierten. Danach zog es uns noch in zwei Bars – die letzte hatte
diesen unverwechselbaren 90er-Jahre-Charme, bei dem man sofort in Erinnerungen schwelgt. Kein Wunder also, dass die Nacht entsprechend kurz wurde.
Dienstag – Abschied, Denkmal und Kohle
Erstmal gab es noch etwas Dienst zu schieben. Nachdem alles erledigt war, ging es gegen 10:30 los. Wir verabschiedeten uns alle – und nun? Naja, etwas fehlte in Leipzig ja noch. Ich hatte bis jetzt noch nicht das Völkerschlachtdenkmal angesehen. Also erstmal dorthin. Interessantes Bauwerk, aber mich spricht es nicht so an. Ich finde, man fühlt zum Beispiel beim Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta mehr.
So ging es nach der Besichtigung noch zum Kanupark Markkleeberg. Leider ist die Wildwasserstrecke nur am Wochenende in Betrieb. Aber es war trotzdem interessant. Da die Nacht nicht so gut war und ich noch etwas die Auswirkungen der Getränke fühlte, ging es von dort aus nur noch zum Aussichtspunkt des Kohlebergbaus, wo ich vor ein paar Wochen schon einmal war. Dort angekommen machte ich ruhig und baute noch die Netze mit den Haken von innen vor die Fenster, um mehr Stauraum zu haben. Die Überlegung war, dass die Kleidung vielleicht etwas isoliert und es nachts nicht ganz so kalt wird. Wie das geklappt hat, werden wir noch sehen.
Zum Abendessen gab es Stulle mit Brot – und das auf der neuen Sitzgelegenheit im Bus. Da über dem Bett nicht genügend Platz ist, um gemütlich zu sitzen, steht aktuell die Toilette hinter dem Fahrersitz, bis irgendwann Drehgestelle eingebaut werden. Auf der Toilette befindet sich ein Kissen und eine kleine Decke rundherum, sodass es eher wie ein Hocker aussieht. Anlehnen kann man sich auch am Dieseltank für die Standheizung.
Als es dunkel war, bin ich nochmal raus. Da dieses Mal mehr Maschinen unterwegs waren, war es ein interessanter Anblick. Überall Lichter, Blinken – und der Lärm hielt sich in Grenzen. Da war die Straßenbahn in Leipzig deutlich lauter.
Mittwoch – Von Altenburg bis Karlsbad
Der Tag begann sonnig. Ich kochte draußen Kaffee. Danach ging es los. Über Altenburg und Eibenstock ging es Franzensbad entgegen. Johanngeorgenstadt war gerade für mich interessant, da ich erst eine Doku darüber gesehen habe. Natürlich wurde der Zigarettenvorrat an der Grenze erstmal aufgefüllt.
Weiter ging es nach Karlsbad. Dort, auf dem Parkplatz angekommen, gab es erstmal einen großen Probealarm. Zu Fuß ging es dann zu den heißen Quellen. Interessant ist das ja schon, aber ich wünschte mir, es wäre etwas natürlicher. Das Wasser vom Geysir fühlte sich sogar kalt an. Das Wasser an anderen Quellen war bis zu 60 Grad heiß. Aber es war schön, es zu sehen und die Sonne zu genießen.
Nach gut zwei Stunden ging es zurück zum Pistentaxi. Da in der „Nähe“ etwas wie die Schlammvulkane in Berca sein sollte, dachte ich mir, das wäre ein schöner Ort – möglicherweise auch zum Übernachten. Am Parkplatz stand gleich ein Schild, das das Übernachten verbot. Nachdem ich den Eintritt von 12 € bezahlt hatte, ging es auf Holzbohlen los. Man kam erst an einer Quelle vorbei, die zu Franzensbad gezählt wird. Danach tauchten einige Moffetten auf. Es blubberte kräftig, aber einen echten Schlammvulkan konnte ich nicht entdecken.
Etwas enttäuscht lief ich weiter, las mir die Erklärungen auf den Tafeln durch, und am Ende stand ich auf einer Straße, von der aus man das Ganze ohne Eintritt besuchen kann. Über diese ging es ca. 500 m zurück zum Auto.
Danach war erstmal wieder die Frage: Wo bleibe ich heute Nacht? Das muss bei dieser Reise relativ früh geschehen – es wurde um 16:30 teilweise schon komplett dunkel. Ich suchte erst auf die alte Methode: Karte raus, etwas Interessantes suchen (See oder Sehenswürdigkeit). Vielleicht geht da ja was. Einige Orte habe ich angefahren.
Auch nach braunen Tourismusschildern wie bei uns auf der Autobahn hielt ich Ausschau – leider ohne Erfolg.
Ich probierte dann das erste Mal die App Overlander aus, von der ich über den YouTube-Kanal von Vanwives gehört hatte. Ich fand dann einen Platz an einem See mit Inlineskatestrecke. Hm, die habe ich doch eigentlich im Kofferraum – warum denn nicht?
Der Parkplatz war okay, sogar videoüberwacht. Angekommen gab es ein kaltes Abendessen – und irgendwann ging es ins Bett.
Donnerstag – Nebel, Quellen und die Suche nach Sonne
Als ich aufwachte, war draußen alles grau: Nebel, leichter Regen. Naja, was soll man machen. Nach dem Frühstück ging es erstmal um den See – aber zu Fuß. Spannend war auch zu sehen, dass es ein alter Bergbausee war.
Nachdem ich schön nass geregnet war, ging ich ins warme Auto. Draußen hatte es angenehme idyllische 2 Grad. Perfekt für den Urlaub – das war ein Scherz.
Dann ging es nach Franzensbad. Hier waren die Quellen noch unnatürlicher als gestern – sogar hinter Glas, sodass man sie nicht probieren konnte. Nur eine bahnte sich den Weg nach draußen. Wirklich gefallen hat mir nur die Quelle Glauber I, die mitten im Wald liegt und dadurch angenehmer wirkt.
Nach gut zwei Stunden waren alle Quellen besichtigt und ich wieder am Auto. Was nun? Marienbad fehlte ja noch auf der Liste. Also ging es langsam in die Richtung.
Man sah an einer Stelle der Berge etwas die Sonne – in Richtung Königsberg in Schlesien ging es dann. Danach fuhr ich den Berg hoch und fand einen Lehrpfad zu einem Hochmoor, das komplett in den Wolken lag. Dadurch herrschte eine besondere Stimmung.
Ein wenig weiter die Straße entlang lag eine andere Quelle. Da ich wusste, dass es früh dunkel wurde, hielt ich es für eine gute Idee, dort zu bleiben. Auf Google Maps fiel mir auf, dass auf der anderen Straßenseite eine verlassene Quelle liegt. Ich lief dorthin und stellte fest, dass das ein perfekter Ort zum Übernachten ist – nicht einsehbar von der Straße, Wasser, Feuerstelle, zwar in den Wolken, aber es gibt Schlimmeres.
Freitag – Wolken Nebel..
Nachdem der Abwasch mit dem Wasser der Quelle gemacht wurde, habe ich noch einen Zusatzscheinwerfer vor der Schiebetür angebracht. Danach ging es nach Marienbad – ich wollte ja die Bäderrunde abschließen. Von den angepriesenen Brunnen waren viele nicht an und einige sogar in ein Haus umgeleitet. Da gefällt mir die Vincent-Quelle von letzter Nacht doch viel besser.
Mittags überlegte ich: Was mache ich jetzt?
Die Wettervorhersagen standen nicht gut für die geplante Besteigung des Rysy in Polen, da viele Wolken im Norden hingen und die Slowakei im November die Wanderwege schließt.
Als grobes Ziel setzte ich mir eine alte Zinnmine. Die war aber leider nicht zugänglich, sodass wieder die Suche begann.
Dann erinnerte ich mich, dass ich vor Kurzem ja auf dem Fichtelberg übernachtet hatte. Ganz in der Nähe gab es einen ähnlichen Ort in Tschechien.
So war ich kurz nach Sonnenuntergang auf dem Berg. Angekommen leuchteten die Wolken noch rosa. Kurz danach war es komplett dunkel, nur selten schaute der Mond hervor, und der Bus wurde durch den Wind gewiegt. Die Temperatur lag drinnen bei ca. 20 Grad, aber draußen waren es –3.
Samstag – Über den Wolken
Am Morgen zeigte sich die Sonne – ich stand mal wieder über den Wolken. Schön, so kann man den Tag genießen. Mit einem Kaffee, in eine Decke eingehüllt, genoss ich den Morgen. Gegen Mittag kamen immer mehr Touristen, sodass ich mich gegen 1 entschloss, weiterzufahren.
Bloß wohin? Diese Frage stellte sich diesmal öfter.
Ok, vielleicht kann ich mir ja noch die heiße Quelle in Polen ansehen. Also wurde als Ziel Jelenia Góra gesetzt. Ich nutzte nur kleine Straßen und keine Autobahn, da ich wieder keine Maut zahlen wollte. Bis jetzt hat das auch immer funktioniert – etwas abgelenkt von einem Telefonat wäre es mir fast passiert.
Als Schlafplatz wählte ich einen Platz, den ich vom letzten Jahr kannte. Wir hatten hier damals gefrühstückt, nachdem uns ein Förster von unserem Standplatz vertrieben hatte.
Ich war nicht allein – andere Camper standen auch dort. Zunächst konnte ich noch die Stadt von oben beobachten, fast wie vom Fernsehturm in Berlin. Leider hatte die Solaranlage die Batterie nicht ausreichend geladen, sodass ich den Bus in der Nacht mit Kerzen heizen musste.
Sonntag – Nebel, Driftversuche und gerettete Baguettes
Als ich aufwachte, war ich wieder mal in den Wolken. Ich blieb im Bus, machte nicht viel, las ein Buch und schaute ab und zu mal raus.
Irgendwann kamen zwei Polen mit einem Mercedes-Coupé aus den 2000ern. Sie drifteten ein bisschen auf dem Parkplatz. Irgendwann standen sie natürlich im Feld und kamen nicht mehr weiter. Ich schaute mir das fünf Minuten an, dann ging ich rüber. Mit Hand und Fuß kommunizierten wir – Deutsch oder Englisch konnten sie nicht, und mein Polnisch beschränkt sich auf einige Worte.
Nachdem ich dem Beifahrer klargemacht hatte, dass er aussteigen muss, öffnete ich den Kofferraum. Wir setzten uns hinein, und der Fahrer fuhr vorsichtig aus der Wiese. Die beiden waren merklich überrascht – tja, so etwas lernt man nicht über TikTok.
Wir reparierten mit Klebeband noch die kaputte Stoßstange vorne. Danach machte ich wieder ruhig.
Ich rettete später noch über TooGoodToGo Essen, also fuhr ich nachmittags einmal durch die Stadt zu einer Tankstelle und rettete vier Baguettes. Ich mag es, wenn Lebensmittel nicht weggeworfen werden. Danach ging es zurück zum Segelflugplatz. Die nächste Nacht stand ich wieder alleine.
Montag – Regen, Höhenmeter und eine Stabkirche
IIch fuhr früh erstmal zur Therme in Caplice. Leider war diese geschlossen – gut, dann eben nicht.
Ich fuhr dann Richtung Karpacz, kurz vor der Schneekoppe. Im Ort musste man überall Parkgebühren bezahlen, aber ich hatte vor dem Ort einen geeigneten Parkplatz gefunden.
Dort angekommen plante ich kurz mit Komoot eine Route zum Gipfel. Also Sachen gepackt und im Regen los. Der Weg war schön, er erinnerte etwas an den Eckerlochstieg im Harz.
Als ich wieder auf einem normalen Weg kam, kam mir eine Familie entgegen – nur mit Turnschuhen und leichter Kleidung. Ich versuchte ihnen klarzumachen, dass dieser Weg möglicherweise nicht ideal für ihre Kleidung ist.
Ich hatte mir als Umkehrzeit 14 Uhr gesetzt, da ich nicht im Dunkeln absteigen wollte. Kurz vor der Zeit entschied ich, dass es heute nichts mit dem Gipfel wird.
So ging ich noch zur Stabkirche in Wang. Interessant, dass sich hier im Riesengebirge solch ein Ort befindet. Vor Ort war es relativ voll mit Menschen. Ich wusste ja, dass der morgige Tag in Polen ein Feiertag ist.
Ziemlich erschöpft kam ich wieder am Auto an. Ein bisschen ging mir der Regen ja schon auf die Nerven.
Etwas weiter im Norden, von den Bergen weg, war ein alter Steinbruch, wo man Schmucksteine finden konnte. Ich dachte, vielleicht hängen die Wolken ja nur an den Bergen.
Dort angekommen fand ich einen schönen Platz mit Feuerstelle usw. Ich sammelte ca. eine Stunde Steine, die ich mir noch genauer anschauen muss. Dann zog schon wieder Nebel in den Steinbruch. Ich war nicht begeistert.
Ich überlegte, ob es vielleicht am Oder-Warte-Bogen besseres Wetter gibt. Probieren kann ich es ja. Also ging es über die Autobahn langsam Richtung Norden. Ich kannte den Platz schon gut, also musste ich heute zumindest keinen Schlafplatz suchen.
Angekommen war diesmal kein Feuer an und niemand da.

Dienstag – Verlaufen, wiedergefunden und der Weg nach Hause
Nach einem Frühstück mit Müsli ging ich nur etwas spazieren. Es sollte nur ein kleiner Spaziergang sein, also ließ ich das Telefon im Auto. Ich lief den Waldweg zu einem weiteren Bunker. Dort scheuchte ich erstmal drei Eulen auf.
Dann sollte es zum nächsten gehen. Nur fand ich nach 600 m nichts. Also: wir schauen mal. Weiter ging es, bis ich irgendwann an einem Waldrand stand – und nun ja, es gab im Moment wieder flüssigen Sonnenschein.
Okay, ich habe den Wald ja nicht verlassen und parke am Waldrand, also gehe ich am Waldrand über die Felder zurück. Es dauerte etwas länger, mir wurde unwohl, ob ich richtig bin oder ob ich mich doch verlaufen habe.
Ich beruhigte mich damit, dass ich in Mitteleuropa bin und das nächste Dorf nicht weit sein kann. Also ging es weiter.
Irgendwann erkannte ich einen umgefallenen Baum, den ich vorher schon gesehen hatte. Ich war begeistert – ich wusste, wo ich war, und dass es jetzt nur noch einen Kilometer bis zum Auto war.
Dort angekommen war ich nass bis auf die Unterhose, und kalt war mir auch.
Okay, umziehen – und dann geht’s nach Hause. Ich schlafe heute Nacht in einem Bett.
Irgendwie war der Urlaub nicht so erholsam wie sonst. Draußen sitzen, Kontakte knüpfen, Lagerfeuer – das hat gefehlt.
Ja, ich weiß, im Herbst/Winter ist das nicht einfach. Nicht mehr lange – und dann geht’s ja schon ins nächste Abenteuer.
Schluss
Diese Reise war anders als geplant. Weniger Sonne, weniger Lagerfeuer,weniger Begegnungen – dafür mehr Nebel, mehr Stille, mehr kleine Herausforderungen. Und doch hatte jeder Tag seine eigenen besonderen
Momente: rosa Wolken, warme Quellen, kalte Nächte, freundliche Fremde, die ungewollt im Feld landen.
Es war eine Tour, die daran erinnert, dass Abenteuer nicht von perfektem
Wetter abhängen. Manchmal reicht ein Bus, ein bisschen Mut und die
Bereitschaft, im Regen loszugehen. Das nächste Abenteuer wartet schon. Den rest der woche baute ich am Bus erholte mich zog mich leider auch wieder alleine in die Wohnung zurück und Renovierte etwas…
Hinweis: Erster Beitrag mit Amazon-Links! Wenn ihr darüber bestellt, gibt’s für mich ein paar Cent – vielleicht genug, um den Bus eine Minute länger zu heizen.





















