Spree, Dahme und ein bisschen Drama – Drei Tage zwischen Regen und Rückenwind
Der erste Urlaubstag beginnt früh. Etwas verspätet komme ich im Verein an. Sachen runterbringen hat halt etwas gedauert. Heute bin ich mal Beifahrer – ob das gut geht? Am Innsbrucker Platz wurde rausgefahren. Ein Wort gab das andere. Ich habe dann meine Sachen genommen und bin ins nächste Taxi gestiegen. Erst mal zurück zum Bus. Ärgerlich – was mache ich jetzt? Alle möglichen Szenarien gehen mir durch den Kopf. Ich habe gerade den Bus gestartet, da ruft Daniela an. Ok, ich fahre mit dem Bus nach Beeskow.
Auf der Fahrt gab es gleich das erste Schwarzweißfoto der Tour. In Beeskow angekommen, ging es schnell ans Boot, die Sachen irgendwie reingeworfen. Noch mal zurück zum Bus gelaufen – was vergessen. Als ich endlich alles hatte, rein ins Wasser. Nach einigen Paddelschlägen wollte ich noch ein Foto machen. Und was fällt ins Wasser? Natürlich die Zigaretten. Na toll, der Tag mag mich wirklich nicht, ich hätte im Bett bleiben sollen.
Die Spree fließt in dem Bereich ziemlich breit dahin, ich würde schätzen 50–100 Meter breit. Irgendwie paddelt jeder mal mit jedem, und Langeweile kommt nicht auf. Nach ca. 7 km wird die Spree zum See. Das Wetter passt zu dem Tag – grau. Nachdem wir den Schwielowsee gesehen haben, sind wir rechts abgebogen. Vor uns ein Hausboot, welches langsam daherfährt.
Die Spree wird schmaler, ca. 10–20 m, etwas später fängt es an zu regnen – passt ja. Als wir die Pausenmöglichkeit erreichen, lässt auch der Regen nach. Wir sitzen überdacht, und es gibt selbst ein Dixi mit Toilettenpapier. Davon lieber kein Foto …
Nach einer gemütlichen Pause geht es weiter. Der Fluss wird an manchen Stellen wieder in sein altes Bett geführt, das bedeutet, er windet sich um so manche Kurve. Über uns kreisen Greifvögel, Libellen fliegen – sehr schön. Nach einer ganzen Weile fällt mir eine Wolke auf – na, ob wir jetzt trocken bleiben? Ich weiß nicht. Es kommt, wie es kommen musste. Es zieht ein Wolkenbruch auf.
Als es beginnt, stehe ich unter einem Baum. Daniela sehe ich nicht. Elsa und Robert sind kurz hinter mir, genauso wie Johanna. Marcus ist weiter vorne unter einer Brücke, wo Blumenkästen dranhängen.
Foto?
Als wir so zusammen im Regen sitzen, komme ich auf die Idee, das Tarp auszuprobieren. Zu zweit schaffen wir es, das Teil über uns auszubreiten. Nun sitzen wir zu viert unter einer grünen Plane und warten den Regen ab. Praktisches Teil. Kommt auf jeden Fall öfter mit, nimmt auch keinen Platz weg im Boot.
Nachdem der Regen nachgelassen hat, packen wir das Teil erst mal auf Johannas Boot. Unter der Brücke treffen wir uns alle wieder.
Bild der Brücke
Weit ist es nicht mehr zur Schleuse Kossenblatt. Wir werden glücklicherweise geschleust, das erspart uns eine Passage mit viel Entengrütze. Die Spree windet sich weiter, Nutrias schwimmen mit uns oder vor uns davon. Im Spreewald sollen sie eine regelrechte Plage sein. Da sind sie absolut nicht scheu. Sie sollen ähnlich wie Kaninchen schmecken.
Irgendwann gibt Marcus Gas und ist weg, er hat wohl nach 30 km noch genug Kraft. Weg ist er. An der nächsten Schleuse in Alt Schadow angekommen, ist er draußen und überredet den Schleusenwärter, dass er uns noch schleust. Danach geht es noch über den See. Leichtes Kabbelwasser, das schwere Boot und das Gepäck machen sich bei mir bemerkbar.
Am Strand angekommen, hat sich Elsa erst mal um die Anmeldung gekümmert. Daniela ist los zum Restaurant und hat erst mal schnell für die meisten Schnitzel bestellt – kurz vor Küchenschluss angekommen. Danach erst mal Zelte aufbauen und dann noch etwas draußen sitzen.
Bild Kerzen
Dann ging es schnell ins Zelt, welches der Wind in der Nacht ziemlich gerüttelt hat.
Tag 2
Früh werde ich wach, irgendwie schlafen die meisten noch – bis auf die Enten.
Bild Enten
Na ja, das Kaffeekochen dauert durch den vorhandenen Wind etwas länger als gewöhnlich. Versteckt hinter einem Baum, der als Windschutz dient, funktioniert es am Ende doch. Irgendwie brauchen wir heute alle etwas mehr Zeit, bis wir loskommen. Brötchen und Belag gibt es am Kiosk. Irgendwann brechen wir doch auf.
Der Wind ist gegen uns. Ich fahre als Letzter los, sehe, dass der Wind schräg von vorne kommt, aber die Wellen auf der anderen Uferseite parallel zum Ufer laufen. Probiere ich’s doch mal. Es funktioniert ganz gut – gleich noch mal. Man wird richtig schnell auf dem Wasser.
Nach dem See geht die Spree klein weiter. Wir kommen am Wasserwanderrastplatz vorbei, wo ich schon mal auf der Toilette übernachtete – aber das ist eine andere Geschichte. Wir entdecken noch eine Flasche und hoffen, dass es eine Flaschenpost ist. Leider stellt sie sich als leer heraus.
Am Vortag hatten wir schon gehört, dass wir die Doppelschleuse in Leibsch umtragen müssten. Als wir sie erreichten, war die Überraschung groß, dass jemand mit einem großen Bolzenschneider oder eher einer Metallsäge sich daran zu schaffen gemacht hat. Wer hat so etwas denn im Boot mit? Ich bin ausgestiegen und habe die Schleuse bedient, während die anderen freundlicherweise mein Boot auf dem Wasserweg mitnahmen.
Bilder davon …
So, hier verlassen wir jetzt die Spree, die hier vom Spreewald kommend weiter Richtung Beeskow fließt. Jetzt sind wir auf dem Dahme-Umflutkanal. Teilweise steht das Wasser, dementsprechend riecht es auch. Der Kanal ist ca. 20 m breit, und eigentlich merkt man nicht mehr, dass man auf einem Kanal unterwegs ist. Rechts und links Wiesen und Felder und Sträucher, die gerne als Wegzehrung benutzt werden können. Vielleicht ja das nächste Mal als reine Selbstversorgertour, ohne etwas dabei zu haben. Das wäre zur richtigen Jahreszeit bestimmt machbar …
Irgendwann sieht man links die Köthener Berge. Dann ist es nicht mehr weit bis zum Köthener See. Jetzt könnte man links abbiegen und dann zum Tropical Island weiterfahren. Ja, Sauna hätte was – aber nicht heute. Es geht links an der Insel vorbei. Von der Jugendherberge sieht man nichts, die versteckt sich hinter der Insel, und nach Kurzem geht’s rechts weiter.
Das kommende Stück finde ich immer am schlimmsten. Lange Geradeausstrecken, kein Schatten, links und rechts nur ziemlich lichter Nadelwald. Irgendwie quäle ich mich immer auf diesem Stück. Irgendwann kommt doch zum Glück das erste Wehr von Märkisch Buchholz in Sicht – noch das einfache. Die Boote wurden auf den schweren Wagen gelegt und auf die andere Seite gezogen. Alleine wird das bestimmt nichts, da ist Tragen angesagt.
Nach nur 700 m geht es wieder raus. Das Kaskadenwehr fällt nur 9 m runter.
Foto vom Wehr
Das Umtragen mit dem Wagen gestaltet sich schwierig. Der Wagen ist schwer, unhandlich, und die Seilwinde einfach zu langsam, und die Bremse funktioniert auch nicht wirklich. Trotzdem schaffen wir es auf die andere Seite.
Von Märkisch Buchholz sieht man selbst – bis auf die Brücke und, wie soll es anders sein, die Kirche – nicht viel. Kurz hinter dem Dorf machen wir eine kleine Rast. Die wird, da wir spät dran sind, auf dem Wasser abgehalten. Danach geht es vorbei an weiteren Biberburgen und schilfgesäumten Ufern Richtung Prieros. Wir sind gefühlt ganz alleine auf dem Wasser unterwegs.
Wir passieren noch eine Stelle, wo früher Pontonbrücken trainieren durften. Die Stelle, wo Panzer zu DDR-Zeiten hier durchfuhren, ist nicht mehr zu finden, soll aber auf Höhe Dahme-km 32 sein. Die Gruppe fährt ziemlich weit auseinander.
Am nächsten See wartet Johanna, und irgendwie hat mich mein Gefühl getäuscht. Ich hatte die nächste Schleuse direkt hinter dem See im Kopf. Ich war letztes Mal wohl etwas abgelenkt von dem Gespräch mit den Leuten im Faltboot. Trotzdem ist es nicht mehr weit.
An der Bootschleppe wartet schon Markus auf uns und hilft, die Boote auf die andere Seite zu bringen. Noch einmal kurz ins Boot und rüber auf die andere Seite, und der Campingplatz ist erreicht. Nachdem ich mich angemeldet habe, organisiere ich erst mal ein Taxi, welches mich zum Bus nach Beeskow bringt.
Vielleicht beschreibt jemand anderes den Abend?
Als ich zurück bin, trinke ich noch schnell zwei Bier und denke: Na, das bietet sich doch an, das Handy aufzuladen. Dabei schlafe ich im gemütlichen Bett im Bus ein.
Als ich aufwache, stehen drüben im Wald, ca. 50 m neben mir, Rehe. Nachdem ich meine erste Kanne Kaffee gekocht habe und ansprechbar bin, entschließen sich Markus und ich, für Brötchen zu sorgen. Leider hatte der Bäcker, den Google zeigt, geschlossen. Bei Edeka gab es dann alles fürs Frühstück.
Wir sitzen dann zusammen an einem großen überdachten Holztisch und haben gemeinsam gefrühstückt und die Flaschenpost geschrieben.
Foto von der Flaschenpost?
Nachdem die nächste Kanne Kaffee leer ist, geht’s langsam aufs Wasser. Ich wieder als Letzter. Als ich ca. 500 m gepaddelt bin, stelle ich fest, was wir vergessen haben: die Flaschenpost. Außerdem steht noch ein Kaffeebecher auf dem Tisch. In Prieros hole ich die anderen nicht mehr ein.
Die Häuser mit den Gärten am Wasser sind wie immer schön anzusehen. Wobei – wollte ich, dass mir jeder aufs Grundstück schauen kann? Beim Paddeln durch den Ort geht mir Fontane durch den Kopf. Bis hierhin hat er es mit der „Sphinx von Köpenick“ aus in zwei Tagen geschafft.
Am Ortsende warten die anderen auf mich. Danach geht es auf den nächsten See. Der Wind ärgert mich schon wieder. Nahe der Insel wird die Flaschenpost zu Wasser gelassen.
Foto davon …
Irgendwie bin ich froh, als das Ende des Sees in Sicht kommt. Nach einigen hundert Metern kommt von hinten der Ruf: „Halt!“ Da ist ein Strandbad, dort gibt es wahrscheinlich Eis. Es wird gemeinsam entschieden auszusteigen. Das Eis schmeckt ganz gut.
Mir geht durch den Kopf, dass es ein ziemlich langer Tag für mich wird (ich fahre noch bis Kassel in den Urlaub heute), wenn ich noch weiter paddle. Nach reiflicher Überlegung und Rücksprache mit den anderen bestelle ich mir mal wieder ein Taxi, und die Fahrt ist für mich zu Ende.
Es waren drei schöne, spannende Tage.